Häufige Probleme beim Racing

Von Herstellern vorgenommene Fahrwerkseinstellungen sind in der Regel nur als Kompromiss anzusehen. Da wir uns beim Fahren auf der Rennstrecke jedoch ständig im Grenzbereich bewegen, ist es essenziell, am Fahrwerk persönliche Geometrie- und Dämpfer-Einstellungen vorzunehmen.

Werden diese Maßnahmen nicht durchgeführt, kann das leicht zu wegrutschenden Vorderrädern, Highsidern, schlechtem Handling, generell instabilen Bikes oder einem schlechten Reifenbild, zum Beispiel durch wellige Auswaschungen, führen. Sollte eines dieser Übel dein Motorrad plagen, hier einige Tipps.

Unabdingbare Basics

So selbstverständlich das klingt, es kann nicht oft genug gesagt werden: Für Renneinsätze muss ein Motorrad in einem technisch 100%ig einwandfreien Zustand sein! Das heißt, es dürfen keinerlei Beschädigungen an Rahmen, Gabel, Schwinge, Felgen und Fahrwerksteilen vorhanden sein. Die Lenkkopf-, Schwingen- und Umlenkhebel-Lager müssen ausreichend gefettet und exakt eingestellt sein. Die Gabelölviskosität sowie der Ölstand müssen stimmen. Die Kettenspannung und Kettenflucht muss korrekt eingestellt sein. Ist soweit alles okay, kann es mit persönlichen Optimierungsmaßnahmen weitergehen.

Optimale Sitzposition

Hier hat die Fußrastenanlage sehr großen Einfluss. Viele Fußrasten sind serienmäßig für Renneinsätze zu weit vorne und zu weit unten positioniert. Dadurch ist es nicht möglich, sich in der Beschleunigungsphase ausreichend auf den Rasten abzustützen. Durch diese ungünstige Schwerpunktverlagerung nach hinten muss sich der Fahrer zwangsläufig am Lenker festhalten, was oft einen negativen Lenkimpuls und eine übermäßige Entlastung der Frontpartie bewirkt. Wenn dann zusätzlich noch schlechte Fahrbahnzustände, wie zum Beispiel kurz aufeinander folgende Bodenwellen, hinzukommen, kann dies leicht zu Lenkerschlagen oder sogenannten Kick-backs führen.

Als Gegenmaßnahme empfiehlt sich die Montage einer speziellen Racing-Fußrastenanlage, die im Regelfall etwa 2–3 cm höher und 3–4 cm weiter hinten positioniert ist. Sollte dies noch nicht ausreichen, bieten einige Zubehör-Hersteller auch modellspezifische Rastenplatten mit erweiterten Einstellmöglichkeiten an. Das Ergebnis ist deutlich merkbar: Durch die optimierte Abstützung nach hinten werden ungewollte Lenkimpulse, die durch verkrampfte Haltung bei starker Beschleunigung auftreten, abgeschwächt. Die Umrüstung bewirkt, dass der Schwerpunkt des Fahrers weiter nach vorne wandert, wodurch sich eine stärkere Belastung des Vorderrades ergibt, was wiederum erhöhte Stabilität und ein besseres Einlenkverhalten bewirkt.

Lenkungsdämpfer und Fahrwerks-Geometrie

Eine weitere effektive Maßnahme zur Vorbeugung von Kick-backs ist die Installierung eines mehrfach einstellbaren Lenkungsdämpfers. Auch hier bietet der Zubehör-Handel zahlreiche fahrzeugspezifische Modelle an. Verhält sich das Motorrad in schnellen Wechselkurven dann immer noch zu träge, ist eine Anpassung der Geometrie ratsam.

Hierzu ist Folgendes anzumerken: Das Motorrad ist eine Verbindung aus zwei Systemen, wobei die Lenkachse als gemeinsamer Drehpunkt betrachtet werden muss. System 1 besteht aus dem Vorderrad mit Gabel, Lenker, Scheinwerfer und Schutzblech. System 2 setzt sich zusammen aus Rahmen mit Motor, Hinterrad mit Schwinge, Federbein und Umlenkung sowie dem/der Fahrer/-in. Alle Veränderungen an einem dieser Systeme haben immer auch Einfluss auf das jeweils andere System. Zum Beispiel ist eine sehr straffe Gabelabstimmung nicht kompatibel mit einem zu weich eingestellten Federbein. Eine abgesenkte Frontpartie verlangt wiederum ein im Verhältnis dazu angepasstes Heck, um bessere Schräglagenfreiheit und optimales Handling zu erreichen.

Um an den Geometriedaten eines Motorrads Veränderungen korrekt vorzunehmen, ist Folgendes zu beachten: Von Höherlegungssätzen ist im Rennbetrieb grundsätzlich abzuraten, da die Erhöhung zwangsläufig in zu großen Schritten erfolgt. Das führt unter anderem zu einer zu starken progressiven Dämpfungsrate des Federbeins. Weiterhin ist eine exakte individuelle Feinabstimmung für Fahrer dann nicht mehr möglich.

Mögliche Maßnahmen zur Optimierung der Geometrie

Durch das Herausschieben der Gabelstandrohre nach oben wird eine Absenkung der Frontpartie und eine dadurch resultierende Verkürzung des Nachlaufs erreicht, was eine Verbesserung des Handlings bewirkt. Diese Maßnahme sollte nur jeweils in Millimeter-Schritten, synchron mit einer ebenfalls nur millimeterweisen Heckanhebung erfolgen. Bei einigen Modellen ist eine Verstellmöglichkeit zur Heckanhebung serienmäßig vorhanden. Falls nicht, raten wir zu einem höhenverstellbaren Federbein aus dem Zubehör-Handel, das eine entsprechende Feinjustierung ermöglicht. Einige namhafte Hersteller liefern für den jeweiligen Einsatzbereich der Maschine und die Belange des Fahrers sogar individuell gefertigte Federbeine.

Einstellung von Federbein und Radstand

Erst nach der Modifizierung der Fahrwerks-Geometrie kann die Gabel- und Federbein-Einstellung korrigiert werden. Als Ausgangsbasis dienen dabei die vom Hersteller vorgegebenen Richtwerte. Ganz zum Schluss ist noch der Radstand einzustellen: Hier ist es ratsam, dass sich die Hinterradachse möglichst in der hinteren Hälfte des Einstellungsbereichs befindet. Dies bewirkt einen etwas längeren Radstand, der sich trotz Verkürzung des Nachlaufs in der Beschleunigungsphase stabilisierend auswirkt.

Abschließende Empfehlung

Die hier beschriebenen Modifikationen wirken sich stark auf das Fahrverhalten aus. Um ungewollte Ergebnisse, Unsicherheiten oder sogar Unfälle zu vermeiden, sollte unbedingt ein Fachmann hinzugezogen werden! Wenn du das Fahrwerk deines Bikes optimieren möchtest, stehen wir dir natürlich gerne mit Erfahrung, Rat und Tat zur Seite.

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